Wer arbeitet eigentlich für wen? 81% effektive Steuerlast

Interessanter Artikel von Sebastian Herold zu den tatsächlichen Steuerlasten.

Dr. Sebastian Herold ist Dipl.-Volkswirt, Abteilungsleiter bei einem mittleren Energieunternehmen, Vorsitzender des FDP-Ortsvereins Münster Süd, Mitglied der Hayek-Gesellschaft und ehemaliger Vorsitzender der Studenteninitiative Wirtschaft & Umwelt. Er ist als Katholik Mitglied des Kolpingwerkes Deutschland, fiebert mit dem 1. FC Köln und bewegt sich auf Wanderungen, beim Jogging oder mit dem Rad gerne in der Natur und an der frischen Luft. Kontakt: seb.herold@me.com

Die hier veröffentlichten Texte stellen ausschließlich die persönliche Meinung des Verfassers dar.

Bild: Michael_Kopatz_pixelio.de

Sommerzeit – Ausflugszeit. Auch Karl möchte eine Spritztour machen. Da er im Augenblick nicht besonders flüssig ist, schlägt er seinem Chef vor: “Chef, lass mich doch für 100 Euro zusätzlich arbeiten.” Dem Chef passt Karls Angebot ganz gut, ist doch für seine Baufirma gerade eine kurzfristige Anfrage von Frau Großschulte hereingekommen, die einige Renovierungen in ihrem Haus durchführen möchte. Eine etwas spitzfindige Detailfrage kann er sich aber nicht verkneifen, schließlich hat er Karl heute noch nicht mit der täglichen Portion Staatsbürgerkunde beglückt, für die er bei seinen Mitarbeitern gefürchtet ist: “Möchtest du 100 Euro zusätzlich erarbeiten oder 100 Euro zusätzlich auf dem Lohnzettel stehen haben?”

Karl: “Chef, ich weiß doch, dass ich Abgaben habe und 100 Euro brutto nicht 100 Euro netto sind.”

Chef: “Zusätzlich zahle ich aber welche, die bei dir erst gar nicht auftauchen.”

Mit dieser Aussage weckt er Karls Neugier. Die beiden tragen nun zusammen, was an staatlichen Steuern und Abgaben anfällt. Sie nehmen dabei an, dass auf Karls Lohnabrechnung brutto 100 Euro zusätzlich stehen.

Daraus resultieren bei seinem Chef an Steuern und Abgaben:

  • Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil):   9,45 EUR
  • Krankenversicherung (Arbeitgeberanteil):   7,30 EUR
  • Pflegeversicherung (Arbeitgeberanteil):   1,03 EUR
  • Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil):   1,50 EUR
  • Unfallversicherung (je nach Gefahrenklasse):   1,30 EUR
  • Umlage U1 (Entgeltfortzahlung Krankheit):   2,50 EUR
  • Umlage U2 (Mutterschutz):   0,25 EUR
  • Umlage U3 (Insolvenzgeldumlage):   0,15 EUR

SUMME:   23,48 EUR

Karl sieht diese 23,48 Euro auf seiner Lohnabrechnung gar nicht, obwohl er sie ja erarbeitet und sie bei seinem Arbeitgeber als Lohnbestandteile für ihn anfallen. Also hat er eigentlich 123,48 Euro verdient und nicht bloß 100 Euro. Dass ihm dies vorenthalten wird, kann er sich nur so erklären, dass ihm die tatsächliche Höhe seiner Abgaben nicht auffallen soll.

Karls (sichtbare) Abgaben umfassen:

  • Rentenversicherung (Arbeitnehmeranteil):   9,45 EUR
  • Krankenversicherung (Arbeitnehmeranteil):   8,20 EUR
  • Pflegeversicherung (Arbeitnehmeranteil):   1,28 EUR
  • Arbeitslosenversicherung (Arbeitnehmeranteil):   1,50 EUR

SUMME:   20,43 EUR

 

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